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Als Meister bezeichnet
man jemanden, der bestimmte Fähigkeiten meisterlich
beherrscht.
Im Fall von Kenei Mabuni hat man jedoch leicht den Eindruck,
dass alles was er tut meisterlich ist. Die innere Ruhe, die
er ausstrahlt, die Aufmerksamkeit, die er einem widmet oder
die Qualität seiner Aussagen.
Einfach alles an ihm wirkt
meisterlich, gepaart mit der Würde einer immensen Erfahrung
eines nun 91 Jahre währenden Lebens.
Dabei sieht Mabuni leicht aus wie ein Mann Ende siebzig.
Der erstgeborene Sohn von Kenwa Mabuni, dem Begründer des
Shito-Ryu, gibt in seinen Lehrgängen nicht nur
authentisches und im wahrsten Sinne des Wortes erstklassiges Shito-Ryu weiter, sondern gibt auch ein Beispiel dafür, wie
fit und unternehmungslustig man im hohen Alter noch sein
kann. Immerhin liegt seine Heimat Osaka gut 20 Flugstunden
entfernt.
Und der Lehrgang in Berlin war nicht der einzige für dieses
Jahr. So wird Kenei Mabuni im August für eine Woche auf
Korsika sein, um das dortige Sommertrainingslager zu leiten.
Zum 25ten Mal übrigens. |
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Doch zurück, zum
Lehrgang in Berlin. Ein wirklich großes Lob darf man Carlos
Molina machen. Der, den Lehrgang nicht nur perfekt
organisiert hat, mit teils jugendlichem Charme, sondern auch
sein Dojo zur Übernachtung zur Verfügung gestellt hat.
Und natürlich Hidetoshi Nakahashi, der, als Assistent
Mabuni’s fungierend, dessen Anweisungen überzeugend und
nicht ohne Humor umgesetzt hat. Beim Training selbst hat
Soke Mabuni größten Wert auf die Natürlichkeit der Techniken
und Anwendungen gelegt. |
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Seinen Aussagen zufolge
ist Karate fundamentaler Nahkampf, was den Gebrauch tiefer
Stellungen auf Abducken und Wurftechniken reduziert. Sein
besonderer Sinn für die Natürlichkeit von Techniken kommt in
folgender Anekdote zum Ausdruck. Als einmal die Mutter eines
jungen Karateka ihm sagte, dass ihr Sohn bereits im Alter von
5 Jahren mit Karate begonnen habe und wie lange er denn
schon Karate mache, antwortete Mabuni, dass er schon im
Bauch seiner Mutter getreten und geschlagen habe. Und diese
anfangs scherzhaft anmutende Bemerkung bekommt eine weit
tiefere Bedeutung, wenn man sieht, wie der Meister seine
Techniken ausführt. Denn jede Bewegung, jede Anwendung,
jeder Griff geschieht mit einer
Mühelosigkeit, die man |
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nur erreicht,
wenn die Bewegung so natürlich und selbstverständlich
ist, wie der Griff nach einer Tasse Kaffee.
Und dennoch überrascht die immense Kraft, die dieser
Mühelosigkeit inne wohnt und mit der er sich aus
Haltegriffen befreit oder den Angreifer aus dem
Gleichgewicht bringt.
Soke Kenei Mabuni zelebriert kein Karate. Er zieht keinen
Karateanzug an, bindet keinen Gürtel, um nun Karate zu üben
oder zu lehren. Karate ist für ihn nichts, was man
stundenweise in einer Trainingshalle macht. Karate ist für
ihn etwas, das man lebt, das einen auf jedem Schritt, bei
jeder Bewegung, begleitet.
Und so sind seine Erklärungen zu den Techniken einer Kata
und ihre Anwendung gleichermaßen überraschend wie
realitätsnah und damit straßentauglich. Und mehr als einmal
stand den Lehrgangsteilnehmern die Verblüffung in den Augen,
als Mabuni die Anwendung einer Technik demonstrierte.
Lösungen zeigte, auf die man sprichwörtlich nicht im Traum
kommen würde. |
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Wobei er gleich auch noch eine verschmitzte, spielerische
und doch würdevolle Art von Humor bewies.
Und man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass
Lehrgänge mit ihm nicht nur ein karatespezifisches Ereignis
sind, sondern auch eine gewisse familiäre Zugabe haben.
Und neben dem teilweise schon recht harten Training, erfährt
man auch so einiges über die Historie des Karate. Und über
die Einflüsse des Shito-Ryu auf andere Stilrichtungen wie
das Goju-Ryu, Wado-Ryu und auch Shotokan. Wobei Mabuni
bestätigte, dass der in den Analen des Shotokan kaum erwähnte
Yoshitaka Funakoshi hier eine bedeutende Rolle inne hatte.
Tatsächlich waren auch bei diesem Lehrgang nicht nur
Vertreter des Shito-Ryu anwesend. Viele interessierte Karateka aus anderen Stilrichtungen waren nach Berlin
gekommen. Insbesondere vom Wado-Ryu und Shotokan.
Und bei der Art wie Kenei Mabuni Karate unterrichtet,
verschwinden die Schranken stilrichtungsspezifischer
Unterschiede.
Es bleibt zu hoffen, dass dieser außergewöhnliche Meister
noch viele Lehrgänge geben wird. Und dass noch viele die
Gelegenheit haben werden von seiner Erfahrung, seinem Wissen
zu lernen.
Erfahrungen, die er auch in verschiedenen Büchern
veröffentlich hat. Sein neuestes „Leere Hand“
(Palisander-Verlag) wurde, in Deutscher und Englischer
Übersetzung, von ihm selbst bei einer offiziellen
Buchpräsentation vorgestellt. Und allein hierzu waren über
160 Teilnehmer gekommen.

Weit mehr waren zum Lehrgang gekommen. Und nicht nur aus
Deutschland, sondern auch aus Österreich, Schweiz, Spanien,
Ungarn, Holland und selbst aus England.
Ein wahrlich
internationaler Lehrgang und ein Ereignis, das sich
hoffentlich wiederholt.
Wer das Glück hat,
glücklich zu sein, hat alles Glück was er braucht.
Soke = kann als
Ehrentitel für das Oberhaupt einer Stilrichtung angesehen
werden. |
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(c) Herbert Haß, 2009 |