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Leider viel zu selten hat der normale
Karateka die Gelegenheit eine Legende des Karate zu erleben.
Tetsuhiko Asai ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher
Meister und Lehrer des Karate. Seine Art sich zu bewegen ist
einzigartig, seine Freundlichkeit, sein Humor seine
Vitalität und nicht zuletzt die Aufmerksamkeit die er einem
zuteil kommen läßt sind keineswegs alltäglich.
Seine Demonstrationen am Partner sind
sehenswert. Die Schnelligkeit und Eleganz seiner Techniken
ist verblüffend. Die Mühelosigkeit seiner Bewegungen, bar
jeder Anstrengung ist ein überzeugendes Beispiel, welche
Auswirkungen ein Karate, das mit dem ganzen Herzen gelebt
und geübt wird für die körperliche Fitneß eines beinahe 70
jährigen hat. So war dieser Lehrgang ein qualitativ absolut
hochwertiges Ereignis. Shihan Asai überzeugte nicht nur
durch sein Wissen über Karate, sondern demonstrierte auch
eine allgemeine körperliche Fitneß und Beweglichkeit die von
den meisten, wesentlich jüngeren, Karateka nicht erreicht
wurde. Hier wurde ein Karate und auch ein Training geboten
das man nicht oft zu sehen und zu spüren bekommt. Der
Begriff „Brennende Oberschenkel” wurde dabei neu definiert.
Übungsformen am Partner mit Shuto-Uchi, tsuki und Mae-Geri
im Rythmus von Kniebeugen! Sprünge aus der tiefen Hocke,
Drehsprünge um 360 Grad mit tsukis, links rum, rechts rum
bis keiner mehr wußte wo Norden war. Ebenso interessant
waren die Kata des Asai-Ryu. 5 Kata mit unterschiedlichen
Schwerpunkten wurden von Asai persönlich entwickelt. Alle
diese Kata sind geprägt von kombinierten Techniken und zum
Teil schwierigen Wendungen. Und immer wieder demonstrierte
und erläuterte Asai worauf es ankommt. Geduldig und auch
humorvoll schmunzelnd, wenn sich die Teilnehmer bei den Tai
Sabaki Übungen „verirrten”, oder wenn er aus tiefster Hocke
einen Nidan-Geri demonstrierte und in allen Gesichtern
geschrieben stand: „Das sollen wir nachmachen?!?” |
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Am Samstag abend hatte ich dann noch die
Gelegenheit Shihan Asai persönlich zu sprechen. Angesichts
der doch recht ausgeprägten Geräuschkulisse der sehr gut
besuchten „Waldeslust” in Unterhaching, wurde aus dem
geplanten Interview eine zum Teil eher persönliche
Unterhaltung. Asche auf mein Haupt! Zumindest weiß ich
jetzt, dass er Fallschirmspringen mag, dass er zumindest
darüber nachdenkt einmal das Tauchen auszuprobieren und dass
er sich schmunzelnd, angesichts eines eingeschlafenen Kindes
am Nachbartisch daran erinnert, dass auch er noch am selben
Abend zur Ruhe kommen möchte.
Ganz nebenbei haben wir dann doch noch über Karate
gesprochen. Über die Unterschiede des Sportkarate und des
Traditionellen Karate. Über den viel zu starken Gebrauch von
Kraft und Muskulatur, was sich auf das Karate auswirkt wie
eine angezogene Handbremse beim Auto fahren. Über den
mangelnden Glauben vieler Karateka an die Möglichkeiten
ihres eigenen Körpers im fortgeschrittenen Alter. Über die
Art und Weise der Versportlichung der Kata im Bereich der
Wettkämpfe. Die Differenz zwischen dem was die Kampfrichter
sehen und bewerten und dem was das ursprüngliche Karate
ausmacht. „One Kata, two Versions. One for the Judges, one
for Karate.” Eine nicht ganz ernstgemeinte Idee, angesichts
des Einflusses der Wettkämpfe auf das weltweite Verständnis
von Karate. So bleibt das ursprüngliche Karate nur für den
wahrhaft Interessierten. Und schließlich über die
verschiedenen Karate-Stile. In diesem Zusammenhang sprach
Asai davon bei vielen Meistern gelernt zu haben, aber keiner
sei sein Sensei gewesen und Masatoshi Nakayama war für ihn
ein Sempai (grob übersetzt der ältere Schüler im Dojo). Und
Asai selbst sieht sich als Student des Karate. Yeesss,
hörte ich als ich daraufhin meinte: "Ja, wir hören auf
Karate zu lernen wenn sich der Deckel des Sargs schließt.” |
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