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Toshihiro Oshiro

 

 

 
03.05.2002 in Duisburg
 
 

03. Mai war Shihan Oshiro Gast des ESV-München Ost. Vielleicht ist ein Freitag Abend nicht der günstigste Lehrgangstermin, jedoch war es ohnehin nicht einfach überhaupt einen freien Termin für einen Lehrgang mit diesem Großmeister des Karate und Kobudo zu finden.
Toshihiro Oshiro ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher Mensch und Meister. Er ist sehr gesellig und überaus „volksnah“, und stellt sich gern den Fragen der Teilnehmer. Er hat Humor, auch während des Lehrgangs. Bei eben diesen rüttelt er dann allerdings kräftig an den gängigen Vorstellungen zum Karate. Klar und deutlich differenziert er zwischen dem Sportkarate und dem „Martial Arts“ dem Karate als Kampfkunst.  Und dann läßt er seinen Worten Taten folgen. In einfacher, aber überzeugender Weise gelingt es ihm den Teilnehmern zu zeigen wo die Unterschiede liegen. Auf leichte, scheinbar harmlose Weise viel Schmerz zu erzeugen hat der Meister demonstriert. Nun liegt es an den Teilnehmern es zu verstehen und zu üben.  Vielleicht wurde nicht soviel „geschwitzt“ wie bei anderen Lehrgängen, aber die Menge an Wissen reicht aus um wochenlang zu schwitzen, wenn man das gehörte denn in Bewegung umsetzt. Mehr über Karate zu erfahren war Kernpunkt dieses Lehrgangs. Dieses Wissen dann zu nutzen bzw. durch Training nutzbar zu machen ist „Heimarbeit“.
Auch über die Geschichte des Karate wußte Shihan Oshiro einiges zu sagen.  Immerhin führt die Schule des Matsubayashi-Shorin-Ryu über Chotoku Kyan in direkter Linie auf Sokon Matsumura, dem Lehrer von Yasutsune Itosu zurück. Und eben dieser Yasutsune Itosu war einer der Lehrer von Gichin Funakoshi der als Begründer bzw. Wegbereiter des Shotokan gilt.
So wird im Matsubayashi-Shorin-Ryu das ursprüngliche Karate aus Shuri und Tomari geübt, das in veränderter Form im Shotokan trainiert wird.
Wie sehr es sich aber vom modernen Sportkarate unterscheidet und wie wirksam und effektiv der „alte“ Weg ist, hat Meister Oshiro überzeugend
und lächelnd demonstriert.

Ein weiterer Schwerpunkt des Lehrgangs war der Einblick in das System des Yamanni-Ryu Kobudo. Dieses benutzt vorwiegend die Waffen Bo (Kon), Sai, Tonfa und Kama. Zu Anfang der Stunde zeigte Shihan uns die Kata Shirotaru no Kon und Kyan no Sai. Ehrlich gesagt waren alle wohl froh, dass wir diese Kata nicht lernen mußten, weil viel zu komplex und schwierig. Das Yamanni-Ryu ist ein Kobudo-Stil der in direkter Linie über die Familie Chinen auf Tode Sakugawa zurückgeht. Der Stil ist somit über 300 Jahre alt und galt auch auf Okinawa lange Zeit als verloren. Nach Shihan’s Aussage gibt es selbst auf Okinawa kaum mehr als 10 Kobudoka die den Stil ernsthaft üben. Shihan Oshiro ist der Stilerbe des Yamanni-Ryu. Viele Karate-Legenden wie z.B. Hirokazu Kanazawa zählen zu seinen Schülern.
Was Shihan uns dann innerhalb von 1 1/2 Stunden zeigte machte jedem klar wie perfekt seine Technik ist und das man besser nicht getroffen wird.  Das pfeifende Geräusch mit dem sein Bo die Luft durchschneidet ist wohl noch jedem in den Ohren. Wie er das aber selbst bei langsamen Bewegung schafft.....????? Wie sagte er so schön: „Nicht fragen, üben!“
Nach Grundübungen folgten wunderschöne Kombinationen....“Shihan, die 1. Bewegung und die (letzte) Bewegung habe ich ja gesehen, aber was war dazwischen?“  Wie gesagt, langsam ist er nicht (4 Bewegungen lagen dazwischen).
Anschließend trainierten wir die Kata Shuuji no Kon, die zwar kurz aber in ihren Bewegungen sehr schwierig ist.

In jedem Fall war es ein außergewöhnlicher Lehrgang mit außergewöhnlichen Einblicken sowohl Karate als auch Kobudo betreffend. Und es ist nicht leicht Shihan Oshiro gehen zu lassen. Hat man doch zu sehr das Gefühl einen Freund zu sehen.