03. Mai war Shihan Oshiro Gast des
ESV-München Ost. Vielleicht ist ein Freitag Abend nicht
der günstigste Lehrgangstermin, jedoch war es ohnehin
nicht einfach überhaupt einen freien Termin für einen
Lehrgang mit diesem Großmeister des Karate und Kobudo zu
finden.
Toshihiro Oshiro ist in jeder Hinsicht ein
außergewöhnlicher Mensch und Meister. Er ist sehr
gesellig und überaus „volksnah“, und stellt sich gern
den Fragen der Teilnehmer. Er hat Humor, auch während
des Lehrgangs. Bei eben diesen rüttelt er dann
allerdings kräftig an den gängigen Vorstellungen zum
Karate. Klar und deutlich differenziert er zwischen dem
Sportkarate und dem „Martial Arts“ dem Karate als
Kampfkunst. Und dann läßt er seinen Worten Taten
folgen. In einfacher, aber überzeugender Weise gelingt
es ihm den Teilnehmern zu zeigen wo die Unterschiede
liegen. Auf leichte, scheinbar harmlose Weise viel
Schmerz zu erzeugen hat der Meister demonstriert. Nun
liegt es an den Teilnehmern es zu verstehen und zu
üben. Vielleicht wurde nicht soviel „geschwitzt“ wie
bei anderen Lehrgängen, aber die Menge an Wissen reicht
aus um wochenlang zu schwitzen, wenn man das gehörte
denn in Bewegung umsetzt. Mehr über Karate zu erfahren
war Kernpunkt dieses Lehrgangs. Dieses Wissen dann zu
nutzen bzw. durch Training nutzbar zu machen ist
„Heimarbeit“.
Auch über die Geschichte des Karate wußte Shihan Oshiro
einiges zu sagen. Immerhin führt die Schule des
Matsubayashi-Shorin-Ryu über Chotoku Kyan in direkter
Linie auf Sokon Matsumura, dem Lehrer von Yasutsune
Itosu zurück. Und eben dieser Yasutsune Itosu war einer
der Lehrer von Gichin Funakoshi der als Begründer bzw.
Wegbereiter des Shotokan gilt.
So wird im Matsubayashi-Shorin-Ryu das ursprüngliche
Karate aus Shuri und Tomari geübt, das in veränderter
Form im Shotokan trainiert wird.
Wie sehr es sich aber vom modernen Sportkarate
unterscheidet und wie wirksam und effektiv der „alte“
Weg ist, hat Meister Oshiro überzeugend
und lächelnd demonstriert.
Ein weiterer Schwerpunkt des
Lehrgangs war der Einblick in das System des Yamanni-Ryu
Kobudo. Dieses benutzt vorwiegend die Waffen Bo (Kon),
Sai, Tonfa und Kama. Zu Anfang der Stunde zeigte Shihan
uns die Kata Shirotaru no Kon und Kyan no Sai. Ehrlich
gesagt waren alle wohl froh, dass wir diese Kata nicht
lernen mußten, weil viel zu komplex und schwierig. Das
Yamanni-Ryu ist ein Kobudo-Stil der in direkter Linie
über die Familie Chinen auf Tode Sakugawa zurückgeht.
Der Stil ist somit über 300 Jahre alt und galt auch auf
Okinawa lange Zeit als verloren. Nach Shihan’s Aussage
gibt es selbst auf Okinawa kaum mehr als 10 Kobudoka die
den Stil ernsthaft üben. Shihan Oshiro ist der Stilerbe
des Yamanni-Ryu. Viele Karate-Legenden wie z.B. Hirokazu
Kanazawa zählen zu seinen Schülern.
Was Shihan uns dann innerhalb von 1 1/2 Stunden zeigte
machte jedem klar wie perfekt seine Technik ist und das
man besser nicht getroffen wird. Das pfeifende Geräusch
mit dem sein Bo die Luft durchschneidet ist wohl noch
jedem in den Ohren. Wie er das aber selbst bei langsamen
Bewegung schafft.....????? Wie sagte er so schön: „Nicht
fragen, üben!“
Nach Grundübungen folgten wunderschöne
Kombinationen....“Shihan, die 1. Bewegung und die
(letzte) Bewegung habe ich ja gesehen, aber was war
dazwischen?“ Wie gesagt, langsam ist er nicht (4
Bewegungen lagen dazwischen).
Anschließend trainierten wir die Kata Shuuji no Kon, die
zwar kurz aber in ihren Bewegungen sehr schwierig ist.
In jedem Fall war es ein
außergewöhnlicher Lehrgang mit außergewöhnlichen
Einblicken sowohl Karate als auch Kobudo betreffend. Und
es ist nicht leicht Shihan Oshiro gehen zu lassen. Hat
man doch zu sehr das Gefühl einen Freund zu sehen.