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Es führen zwei Wege nach Korsika. Der
eine ist sehr direkt, schnell und luftig (Flugzeug). Der
andere ist schier endlos und abenteuerlich. Speziell wenn
man auf der Fahrt nach Livorno (Italien) Pässe und
Landstraßen benutzt. Malerisch schön zwar, aber doch sehr
kurvig. Entweder man mag es, oder man braucht Tabletten. In
Livorno angekommen sucht man dann den Hafen und dort den Weg
zur, bereits in Deutschland (wichtig!) gebuchten, Fähre.
Nach ausgiebigem Warten, viel davon im Auto, vor, hinter und
neben hunderter von Leidensgenossen sitzend, beginnt das
Beladen der Fähre. Man fährt selbst, eingewiesen von der
Besatzung. Wohl dem der ausgiebige Erfahrung mit engen
Parkhäusern und haarsträubenden Auf-/ und Abfahrten hat.
Kurz vor erreichen der Parkposition, (Parkplatz kann man das
nicht nennen!) läßt man etwaige Beifahrer aussteigen. In
Reihen nebeneinander stehend, bleibt dann auch äußerst wenig
Platz zum aussteigen. Auf der Rückfahrt blieb nur noch der
Weg über das Schiebedach!!! Wer jetzt denkt, dass nun
endlich die Zeit gekommen ist eine geruhsame Schiffahrt von
7 Stunden zu genießen? Nun, man ist nicht ganz alleine auf
dem Schiff.....
Auf dem ganzen Schiff gibt es nicht einen Flecken, wo keine
Matte, Matratze, oder belegte Liege steht. Selbst von den
Treppen tönt geschnarche! Dementsprechend wach, verläßt man
im Morgengrauen die Fähre und setzt Fuß, Pardon Reifen, auf
korsichen Boden. Unweit des Hafen und relativ einfach zu
finden, war dafür der Campingplatz. Anlage, Zeltplatz,
Duschen, Strand, Meer, Preise,
alles in Ordnung......Preise? Stop, eine Position zurück.
Ich glaube sie mögen es nicht, wenn Touristen beim Verlassen
der Insel noch viel Geld übrig haben. Nur einen Tag später,
und 2 km vom Campingplatz entfernt, das erste Training. 2
Stunden, mit ca. 150 Trainingswilligen auf einer schattigen
Lichtung. Bitte nichts falsches glauben, die meisten
Schatten stammten von den Trainierenden!
Die Bäume boten nur zeitweise Schutz, bis die Sonne
neugierig wurde und ein Stück weiter rückte um sich genauer
anzusehen, was
da auf der Lichtung so passiert. Und da passierte einiges.
Ein äußerst interessantes Aufwärmtraining durch Anselm Stahl
zum Beispiel. Gefolgt von einem Kata-bezogenen
Kumite-training. Was bedeutet, dass die Prinzipien einer
Kata für realistische Kumite-Übungen zur Anwendung kamen.
Vielleicht sollte ich hier erwähnen, dass man vor dem
Training in viele freundliche und lächelnde Gesichter sehen
konnte und angenehme Gespräche führte, bevor ich schreibe,
dass sie einem im Training fast den Unterarm zertrümmern.
Rakka! Wenn die Blüten fallen! Bedeutet etwa: „Man muß so
hart schlagen, dass ein Baum sich so schütteln würde, dass
die Blüten runterfallen!“ Jedenfalls verfärbten sich
besagte Unterarme schon während dem Training und ich glaube
ich habe auch einige „Haare“ fallen sehen!
Und während wir so trainierten, wurden Sensei Nakashi und
Sensei Hatano von Kenei Mabuni in die nächsten Übungen
eingewiesen.
Und wer da einen Blick riskierte konnte sehen zu welchen
Bewegungen der damals 84 jährige noch fähig ist! Und er
ging selbst auch durch die Reihen, kontrollierte und
verbesserte. Scheute dabei weder Sonne noch Untergrund.
Untergrund? Na ja, die Wiese war nicht mehr ganz so grün
und weich. Aber schließlich gehören auch die Füße
abgehärtet! In jedem Fall war und sind diese Lehrgänge etwas
besonderes. Und man lernt wirklich sehr viel. Rohai Shodan,
Kosokun Dai, Chinto, Seipai, Saifa, Naifanchin Shodan,
Naifanchin Nidan, Naifanchin Sandan, Niseishi, Gojushiho,
Ishimine Bassai um nur einige zu nennen.
Ganz zu schweigen vom Detailwissen, dem Bunkai und den
Feinheiten des Kumite. Zwischendurch blieb sogar noch Zeit
die Insel kennenzulernen. Aber Vorsicht, Autofahren auf
Korsika heißt Kurven und Abgründe lieben! Und nicht nur ein
Auto lag da zwischen
den Felsen! |