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Kata sind das Herz und die Seele des
Karate. Es gibt keine Stilrichtung
die auf Kata, als zentrales Mittel
zum erlernen und verbessern der
Fähigkeiten im Karate, verzichtet.
Das ernsthafte Studium der Kata
führt zu einem hohen Verständnis der
Grundlagen des Karate, der immens
wichtigen Biomechanik und der
effektiven Anwendung der Techniken.
Ob eine Kata schön oder häßlich,
spektakulär oder langweilig
anzusehen ist, spielt hierfür
absolut keine Rolle.
Für den Gewinn von Meisterschaften
sind jedoch andere Prioritäten
gesetzt. Hier bestimmt der
subjektive Eindruck der Kampfrichter
über Sieg oder Niederlage. Also gilt
es in erster Linie deren Geschmack
zu treffen. Ein äußerst schwieriges
Unterfangen. Menschen haben oft
unterschiedliche Sichtweisen, auch
Kampfrichter. Einige legen viel Wert
auf perfekte Stellung und
Ausführung, andere achten mehr auf
Schnelligkeit und Dynamik. Die
präzise Ausführung einer Technik ist
jedoch direkt abhängig von deren
Geschwindigkeit. Jede Technik
benötigt ihre eigene Zeit. Zu
schnell ausgeführt verliert sie an
Präzision und Wirkung. Es ist wie
bei einem Chor, singt nur einer zu
schnell, ist der gesamte Vortrag
disharmonisch. Speziell bei
schnellen Kata, bzw. bei schnellen
Passagen einer Kata ist zunehmend
eine unpräzise Ausführung zu
beobachten. Bei Jion zum Beispiel
wird bei der Technik Juji Uke der
Kosa Dachi kaum noch zur Endstellung
gebracht. Statt dessen erfolgt ein
fließender, unsauberer Übergang zur
nächsten Technik. Bei zu hoher
Geschwindigkeit ist eine saubere
Beinarbeit nicht mehr möglich. Was
aber nicht unbedingt jedem auffällt,
da den Bewegungen des
Oberkörpers/Arme gewöhnlich mehr
Aufmerksamkeit geschenkt wird. Im
Karate zählt jedoch nicht schneller,
höher, weiter, sondern besser und
präziser. So entsteht, den
vermeintlichen Erfordernissen des
Wettkampf folgend, ein Sportkarate
das die wahren Werte, Eigenschaften
und Fähigkeiten des Karate verläßt.
Ein Großmeister sagte mir mal: „I
never saw an advanced Kushanku.“ Ich
glaube auch dieser Meister würde bei
einem Wettkampf in der ersten Runde
ausscheiden, gerade weil er Kata auf
höherem Niveau zeigt.
Bei Wettkämpfen gibt es Shitei (Pflichtkata)
und Tokui (Kür oder freie Kata). Die
Shitei Kata sind standardisiert.
Jede Bewegung ist festgelegt und
Abweichungen sind nicht zugelassen.
Bei den Tokui Kata hingegen sind
Interpretationen erlaubt. Das heißt
eine Kata darf verändert werden.
Dies war auch in früheren Zeiten so.
Jeder Meister hat Kata eigens
interpretiert. So existieren heute
viele verschiedene Versionen ein und
derselben Kata. Die Änderungen
folgten jedoch immer den Prinzipien
des Karate im Hinblick auf effektive
Wirksamkeit.
Die heutigen Änderungen der Kata bei
Wettkämpfen dienen jedoch in erster
Linie der Optik. Speziell bei den
Shito-Ryu und Goju-Ryu Kata sind
zunehmend Techniken zu sehen, deren
Effektivität und Sinn zweifelhaft
erscheint. Übertrieben langsam,
übertrieben weiträumig bis hin zu
theatralisch, bei gleichzeitiger
starker Vereinfachung der
Beinarbeit. Man schafft es damit
tatsächlich die Kata optisch
schwieriger aussehen zu lassen, bei
tatsächlich einfacherer Ausführung.
Bei Kennern und Liebhaber der
jeweiligen Kata ist beim Anblick
dieser „verschönten“ Versionen ein
gewisses seelisches Leid zu
verzeichnen.
Ohne genaue Kenntnis der Bunkai
einer Kata kann jedoch kein
Kampfrichter diese abgewandelten
Techniken richtig beurteilen. Die
richtige Ausführung einer Technik
ist somit kein Wertungskriterium
mehr. Und dies betrifft auch die
Shitei Kata, wo Techniken zugunsten
der Geschwindigkeit oder wegen
fehlendem Verständnis mangelhaft
ausgeführt werden. Mangelhaft heißt
hier nicht schlechte Ausführung,
sondern dass die Technik aus Sicht
der Kata und ihrer Bunkai so nicht
anwendbar ist.
Auch wenn zu Berücksichtigen ist,
dass mehrere Bunkai möglich sind.
Es gibt zuwenig Kampfrichter die in
der Lage sind dies richtig zu
beurteilen. Dies hat zur Folge, dass
die Trainer und Athleten erfolgreich
sind die sich auf die optisch
wirksame Präsentation einer Kata
konzentrieren. Auch unter Einsatz
von übertriebenen (Show) Techniken.
Autor: H. Haß, Januar 2002
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