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Insgesamt 85, davon 52 tatsächlich
unterschiedliche, Kata sind nach den Regeln der WKF (World
Karate Federation) bei Kata-Wettkämpfen zugelassen. Dem
Athleten, gleich welcher Stilrichtung, bietet sich nun
grundsätzlich die Möglichkeit aus dieser Liste beliebige
Kata zu wählen.
Und keineswegs muß er/sie hierfür die verschiedenen
Stilrichtungen im Detail studieren. Schließlich geht es nur
um die Wettkampf gerechte Beherrschung der ausgewählten
Kata. Der Athlet/ die Athletin hat so prinzipiell die
Möglichkeit eine optimale Auswahl von Kata für Wettkämpfe zu
treffen und gleich mehrere „Joker“ in der Hand zu halten.
Gänzlich anders ist die Situation für die
Kampfrichter. Um eine Kata wirklich Beurteilen zu können muß
man sie selbst trainiert haben. Wie sonst kann man Wissen
ob die Drehung am Ende der Kata Gankaku schwieriger oder
leichter ist, als bei deren älteren Version Chinto?
Wobei dies nur ein Beispiel dafür sein
soll zur Verdeutlichung der Probleme bei der Einschätzung
von Techniken in einer gezeigten Kata. Den
Schwierigkeitsgrad einer Kata richtig einzuschätzen ist aber
nur eins der Probleme. Wie soll ein Kampfrichter, der die
gezeigte Kata nicht kennt, einen Fehler bemerken der
geschickt überspielt wurde?
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| Chinto |
Gankaku |
Unshu |
Unsu |
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Ein Kampfrichter meinte mal: „Unmöglich
alle Kata zu kennen.“ Zumindest wäre es äußerst schwierig
und zeitaufwendig, zumal die verschiedenen Nationen Kata
eigens interpretieren. Speziell bei den Shito-Ryu Kata wie
Nipaipo, Anan und Kushanku sind technische Varianten zu
sehen, die italienische, spanische usw. „Handschriften“
tragen. Eine künstlerische Freiheit wie sie bei Shotokan
Kata bisher nicht zu beobachten war. Möglicherweise
kalkuliert man hier mit einem höheren Grad an fehlenden
Detail Kenntnissen seitens der Kampfrichter. Zwar sind
leichte Abänderungen und Variationen einer Kata durchaus
erlaubt, aber hin und wieder sind Bewegungen zu beobachten
die mehr theatralisch (Show) sind, als echte Technik. Schon
Gichin Funakoshi befürchtete das der Wettkampf den Inhalten
des Karate eher Schaden als Nützen würde. |
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| Kanku Dai |
Kushanku |
Niseishi |
Nijushiho |
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Für den Athleten und
insbesondere den kreativen Trainer jedoch bietet sich hier
eine Welt voller Möglichkeiten. Für den Kampfrichter
allerdings ist, mit der zunehmenden Nutzung von Shito-Ryu
Kata, die Arbeit wesentlich schwieriger geworden. Zumal
Shito-Ryu nicht gleich Shito-Ryu ist.
Es gibt viele Meister des Shito-Ryu die eigene Verbände
gegründet haben und Kata eigens interpretieren. Selbst das
Shito-Ryu der Söhne von Kenwa Mabuni, Kenei und Kenzo Mabuni
ist nicht identisch.
So stellt sich in Zukunft für den Athleten nicht nur die
Frage welche Kata, die für ihn und seine körperlichen
Möglichkeiten die geeignetsten sind, sondern auch die
spekulative Frage welche beim Kampfgericht am besten
„ankommen“. Würde eine eher kraftbetonte „deutsche“
Kushanku, oder eine weichere, bewegungsintensivere
italienische Version höher bewertet? Schließlich bleibt
noch die Frage: „mit welcher Kata begegne ich der Kata
des Kontrahenten?“
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Auswahl an Kata von Athleten der verschiedenen
Stilrichtungen könnte sein:
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| Shotokan
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Goju
Ryu |
Shito
Ryu |
Wado Ryu
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Jion
Kanku Dai
Empi
Nijushiho
Unsu |
Saifa
Seipai
Seienchin
Shisochin
Suparimpei
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Bassai Dai
Seienchin
Anan
Unshu
Kushanku |
Seishan
Chinto
Kushanku
Wansu
Suparimpei
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Als Alternativen an, für Wettkampf geeignete Kata, bieten
sich noch:
| Shotokan
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Goju Ryu
|
Shito
Ryu |
Wado Ryu
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Kanku Sho
Sochin
Gankaku
Gojushiho Sho
Gojushiho Dai
|
Seisun
Sanseiru
Kururunfa
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Niseishi
Gojushiho
Seipai
Kururunfa
Suparimpei
Chinto
Nipaipo
Heiku
Paiku
Tomari Bassai
Matsumura Bassai
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Jion
Bassai
Rohai
Niseishi
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Kata die bevorzugt für ein Finale gewählt worden sind:
| Shotokan
|
Goju Ryu
|
Shito
Ryu |
Wado Ryu
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Gankaku
Gojushiho Sho
Gojushiho Dai
Unsu
|
Kururunfa
Suparimpei
|
Seipai
Kururunfa
Suparimpei
Gojushiho
Unshu
Nipaipo
Heiku
Paiku
Matsumura Bassai
Anan
Kushanku
|
Suparimpei
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| Ein
Wettkämpfer der seine Kata stilrichtungsübergreifend wählt
könnte z.B. |
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Jion
Seipai
Gojushiho Sho
Kushanku
Unsu |
Shotokan
Goju-Ryu/Shito-Ryu
Shotokan
Shito-Ryu
Shotokan |
und als Joker:
Gojushiho
Gojushiho Dai
Nipaipo
Anan
Chinto
Suparimpei
usw. |
trainieren und so aus einem beträchtlichen Repertoire an,
allesamt für Finalbegegnungen geeigneten
Kata schöpfen.
| Wer
Sprünge mag wählt |
Wer
keine Sprünge mag wählt |
Chinto (Wado-/Shito-Ryu)
Kanku Dai (Shotokan)
Kanku Sho (Shotokan)
Unsu (Shotokan)
Kushanku (Shito-Ryu) |
Jion (Shotokan)
Bassai Dai (Shito-Ryu)
Nijushiho (Shotokan)
Gojushiho Sho (Shotokan)
Anan (Shito-Ryu) |
| Wer die
Vielfalt mag wählt |
Seipai (Shito-/Goju-Ryu)
Chinto (Shito-/Wado-Ryu)
Heiku (Shito-/Ryuei-Ryu)
Nipaipo (Shito-/White Crane)
Unsu (Shotokan) |
Die Auflistung von Kata in den Tabellen sind Beispiele und
keine Empfehlung oder wertmäßige Einstufung.
Hellgelb
= Pflichtkata für die ersten beiden
Runden Deutscher und internationaler Meisterschaften.
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Die Stilübergreifende Nutzung von Kata ist bestimmt
kein „Zauberstab“ zum Erfolg. Es bietet sich hier
jedoch eine Möglichkeit zur Optimierung der
Wettkampfleistung eines Athleten. Dies erfordert
jedoch gute Trainer, die den Athleten beurteilen
können, seine Stärken und Schwächen kennen und in
der Lage sind für ihn geeignete Kata auszuwählen.
Interessant in dem Zusammenhang ist, dass die
Nutzung Stilübergreifender Kata durch das Shotokan
schon lange praktiziert wird. Kata wie Sochin,
Nijushiho, Unsu, Gojushiho Dai, Gojushiho Sho,
gehörten ursprünglich nicht zum Karate das von
Gichin Funakoshi in Japan gelehrt wurde und zum
heutigen Shotokan verändert wurde, sondern gelangten
über die Verbindung von Gichin Funakoshi zu Kenwa
Mabuni vom Shito-Ryu ins Shotokan wurden hier jedoch
umfassend abgeändert.
Und dies läßt erahnen wie
umfangreich der Austausch von Wissen zwischen den
verschiedenen Meistern und ihren Schulen in früheren Zeiten
war. Gewiß wurden die Eigenheiten der eigenen Schule
geschützt und gepflegt. Aber man zeigte auch starkes
Interesse an den verschiedenen Schulen und Kata des
Karate. So wurden auch die eigenen Schüler schon mal zu
anderen Meistern geschickt um von diesen zu lernen. Es gibt
kaum einen Meister des Shotokan z.B. Kanazawa oder Shirai,
die nicht auch die Wege des Shito-Ryu, Goju-Ryu usw. kennen.
Ebenso kennen Meister des Shito-Ryu, Goju-Ryu, Shorin-Ryu,
Wado-Ryu usw. das Shotokan. Was also spricht dagegen
zusätzliche Wege zu gehen, die Eigenheiten andere Schulen
und deren Kata kennenzulernen? Angst vor Neuem? Angst vor
mehr Wissen??? Oder einfach nur Bequemlichkeit?
Autor: H. Haß, Januar 2002
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